Baku!

Juli 30, 2007

Von meiner Schreibtischecke aus blicke ich auf die Kuppeln der Altstadt. Unter mir schmiegt sich Baku, Hauptstadt Aserbaidschans, in einer weiten Bucht an das Kaspische Meer. Eine lärmende Boomtown mit Hochhausgerippen und hupendem Verkehr, ein Paradies für schräge Vögel und Spekulanten. Zarathustra war hier einst unterwegs, später der junge Stalin und früher wie heute Ölbarone auf der Suche nach dem großen Geld. 

Am besten man stellt sich die Stadt wie eine Zwiebel vor: Im Herzen liegt die historische Altstadt Icheri Shähär mit dem Schirvanschah-Palast, alten Moscheen, Hammams, Karawansereien und Teppichhändlern. Umschlossen von einer hohen Mauer winden sich schmale Gassen, es herrscht ein Flair von orientalischer Gelassenheit. Seit einigen Jahren gehört das ganze Ensemble zum UNESCO-Weltkulturerbe.

 

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Außerhalb der Stadtmauer liegen die urbanen Villen aus der ersten Ölboomphase (ca. 1880 - 1915) mit ihren reich verzierten Fassaden, die mit dem neuen Ölgeld gerade teilweise restauriert werden. Hier reihen sich Luxusboutiquen an schicke Bars, hier präsentieren die “neuen” Aserbaidschaner ihren liberalen Lebensstil.

 

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Die dritte “Schale” bilden niedrige Häuser in engen Gassen, die die Russen während der Sowjetzeit glücklicherweise verschont haben. Nun drohen die alten Gebäude allerdings dem Bauwahn zum Opfer zu fallen, der Baku seit dem neusten Ölboom erfasst hat. Wie Pilze schießen klotzige Prunkbauten aus dem Boden, einer höher und prächtiger als der andere. Das Rezept heißt Sandstein, Stuck und Spiegelglas. 

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Dahinter liegen die üblichen Satellitenstädte aus der Sowjetära, graue Platte mit rostigen Balkonen - und dann beginnt auch schon die Wüste, in die das wachsende Baku sich immer weiter ausbreitet.

 

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Freizeit

Juli 30, 2007

Was machen die Bakuer in ihrer Freizeit? Besonders beliebt ist Nard, bei uns bekannt als Backgammon. Ein schattiges Plätzchen, ein paar Tassen Tee, eine gesellige Männerrunde und schon kann es losgehen, oft bis spät in den Abend.

    Sport hingegen wird hierzulande eher klein geschrieben. Fahrradfahren wäre auf Bakus quirligen Straßen lebensgefährlich und entspricht zudem nicht dem gewünschten Prestige. Man fährt Auto, am liebsten Mercedes oder Jeep, und das möglichst ständig und laut.

Gerne fahren die Bakuer zum Strand - nein, AUF den Strand. Denn auch hier verzichten viele ungern auf ihr Auto. Alternativ kann man sich einen Plastiktisch oder eine Strohhütte mieten, um dann gemütlich in aller Ruhe zu speisen. Ich habe den Fehler gemacht, weder Samowar, noch Wodkaflasche oder Hammelbraten mitzubringen. Und statt meiner Großfamilie hatte ich nur eine einsame Strandmatte dabei. Man lernt halt nie aus!

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Zwischenstopp

Juli 25, 2007

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Riga im Regen: Der ganze schöne Jugendstil rinnt von den Fassaden und Bernsteinverkäufer schlottern unter ihren Schirmen.

Ich tröste mich bei einem “Aldaris” (lokale Biersorte) mit dem Gedanken, dass ich im trocken-heißen Aserbaidschan den Regen sicherlich schon bald schmerzlich vermissen werde. An mir vorbei stolzieren, dem Wetter trotzend, die jungen Schönen von Riga: Der Dresscode fuer Frauen bis 40 schreibt offensichtlich ultrahohe Absaetze zu megakurzen Röcken vor. Ich oute mich somit als tumber Tourist.

Apropos: Vermissen werde ich neben dem Wetter auch die Horden deutscher Touristen, die sich in Rigas schmalen Altstadtgassen drängen. Welcher Floh hat mich bloß gestochen, dass ich ausgerechnet über ASERBAIDSCHAN schreiben will?! Nun, das Rätsel wird sich bald lösen - vielleicht ja schon heute Nacht. Air Baltic war generös und hat mir ein Business-Class-Ticket verpasst und so könnte es natürlich passieren, dass mich ein wohlbetuchter Bakuer Ölbaron vom Flugzeug aus kurzerhand in seinen Wüstenpalast entführt. Na, das wäre doch mal was! Falls Sie also nicht mehr von mir hören, seien Sie gewiss, es geht mir gut!  

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