Xinaliq - fabled mountain village

September 16, 2007

Wer das legendäre Xinaliq sehen will, muss hart im Nehmen sein. Der letzte Besuch hatte uns zwei Autopannen beschert, diesmal sind wir lieber geritten. Zu viert auf zwei Pferden haben wir die Waden angezogen, um uns vor bissigen Hunden zu retten. Und das ist noch nicht alles: Einmal in Xinaliq angekommen, kommt man nicht mehr zurück! Obwohl die Straße dorthin inzwischen geteert wurde, gibt es keinen Busverkehr. Aber das ahnten wir auf dem Hinweg zum Glück noch nicht. Hier ein paar Gründe, warum sich die mühsame Reise dennoch lohnt.

    Morgens lag Laza noch im Nebel, als Rashid mit den Pferden ankam. Die Pferde, das hatten wir am Abend erfahren, braucht man vor allem “für die Kommunikation”. Was das bedeutete, wurde nun klar: Rashid raunzte die beiden Tiere in fremdartigen Lauten an, während er sie mit seinem langen Stock malträtierte. Besonders zimperlich ist man hierzulande offenbar nicht, was die “Kommunikation” betrifft. Etwas beklommen drückten wir uns auf die Pferderücken, während Rashids Knüppel den Nebel zerzeilte - bis er sich schließlich auflöste und wir erkannten, wo wir waren: Unter uns rauschte der Qusar-Fluss, über uns thronten die Gipfel des Shahdag. Zwischendurch ein Hirte, ein paar Pferde oder Schafe, bisweilen ein kläffender Hund, ansonsten hatten wir den Kaukasus für uns allein. Sehen Sie selbst:

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    Wir lassen den Nebel hinter uns…

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    …und haben endlich freie Sicht.

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    Christian und Richard

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    Der “Pferdeflüsterer” und ich.

Nach einem Tag, viel Pferdeschweiß und o-beinig erreichten wir Xinaliq. Während wir unterwegs noch darüber nachgedacht hatten, ob wir am nächsten Morgen den Bus um sechs oder doch lieber erst den um elf Uhr nehmen sollten, stellte sich schnell heraus, dass derlei Gedanken unnütz waren. Von wegen Bus! So einfach ist das mystische Xinaliq nicht zu bezwingen. Also blieben wir erstmal dort - nun gut, es gibt schlimmere Orte…

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Wie wir von hier jemals wieder weg gekommen sind? Das ist eine andere Geschichte, die ich bei Gelegenheit erzählen werde. Christian und Richard fuhren jedenfalls nach Tbilisi und ich habe mich auf den Weg Richtung Dagestan gemacht. Am nächsten Wochenende habe ich wieder eine Einladung nach Xinaliq, diesmal mit dem Mountainbike. Was dann wohl passieren wird? Sie werden von mir hören!

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Hilfe, ich assimiliere mich!

September 16, 2007

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Unterwegs mit Nizami

September 16, 2007

Nizami Ganjavi war einer der wichtigsten Dichterfürsten Aserbaidschans. Im 12. Jahrhundert schrieb er eine Sammlung von Lobgesängen (Xamsa), die noch heute zur Pflichtlektüre in aserbaidschanischen Schulen zählt. Zudem gibt es in jeder Stadt - neben dem obligatorischen Heydar-Aliyev-Park, dem Heydar-Aliyev-Prospekt und dem Heydar-Aliyev-Museum - eine Nizamistraße und ein (inzwischen meist geschlossenes) Nizami-Kino. Mein persönlicher Held ist jedoch ein anderer: Nizami, der Busfahrer. Ich hatte das Glück, mit ihm zwei Tage lang unterwegs sein zu dürfen, im Gebirge, unweit der dagestanischen Grenze.nizami.jpg

    Nizami, der Busfahrer (abends im Wohnzimmer).

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    Nizamis Bus von außen…

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    … und von innen.

In Qusar, einer Kleinstadt im nordöstlichen Aserbaidschan, geht die Reise los. Um den kleinen Minibus drängeln sich stämmige Frauen mit Kopftuch und Männer mit viel Gold im Mund. “Jurnalista, jurnalista“, raunen sie einander zu und blicken verstohlen in meine Richtung. Als jurnalista bekomme ich den Ehrenplatz neben dem Fahrer zugewiesen (den sich normalerweise drei Leute teilen) und dann geht es los ins Unbekannte, zumindest für mich: Man hatte mir erzählt von einem Ort namens Sudur, hoch in den Bergen, und dass es dort schön sei. Einen Bus zurück gebe es erst am nächsten Tag, ein Tourist sei dort wohl noch nie gewesen. Grund genug sich auf den Weg zu machen, fand ich.

    Wir durchqueren einen Fluss, danach wird die Straße immer löchriger und steiler, schließlich endet der Asphalt. Ab und zu halten wir an, weil Nizami ein paar Schrauben nachziehen muss. In seinem Sonntagsanzug liegt er dann unterm Auto und jeder Handgriff sitzt perfekt: Seit 24 Jahren fährt er hier mit seinem Bus, meistert die mörderische Strecke sicher und souverän. Jeden Morgen um neun geht es los, am nächsten Tag um sechs zurück, Sommers wie Winters, bei Matsch und Glatteis. Auf waghalsig Serpentinen und durch atemberaubende Schlaglöcher. Vier Stunden dauert die Fahrt, wenn alles gut geht, vier Stunden lang schmiegen sich Bauern, Kinder und Kartoffelsäcke aneinander. Es riecht nach Fett, Ruß und Schaf. Wir durchqueren Dörfer, in denen Frauen in ihren hohen Krügen Wasser nach Hause tragen und Männer im Anzug am Straßenrand hocken. Endstation ist Sudur, die Felsen dahinter gehören bereits zu Russland.

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Nizami nimmt mich mit zu seiner Mutter. Zwischen ihr und dem kleinen Neffen liegend werde ich die nächste Nacht verbringen. Nach dem Abendessen (Suppe mit Schafsknochen zum Abnagen) zeigt mir Nizami das Video von der Hochzeit seines Sohnes. Der etwa zweistündige Film gehört zum allabendlichen Programm, ein Ritual, nach dem man beruhigt einschlafen kann.

    Es ist noch stockdunkel, als am nächsten Morgen der Bus wieder voll wird. Jemand legt mir eine Felljacke über die Schultern, ich verziehe mich in die hinterste Ecke und rieche nach Schaf, während sich vor mir der Bus langsam mit Kisten und Säcken füllt: Kartoffeln, die in der nächsten Stadt verkauft werden sollen. Kein Zentimeter darf dabei verschenkt werden.

Was wird sein, wenn Nizami einmal krank ist? Wenn seine Mutter stirbt, bei der er die Nächte in Sudur verbringt? Wenn sein kleiner Bus endgültig zusammenbricht? Werden dann die Leute den langen Weg zur Stadt zu Fuß zurücklegen müssen? Wie werden sie ihre Kartoffeln verkaufen können? Mit seinem Bus sichert Nizami nicht nur sich selbst, sondern einem ganzen Dorf das Überleben.

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      Kurz nach Sonnenaufgang bleibt unser Bus liegen. Ist es nun so weit?

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Zum Glück kommt alsbald ein Kohltransporter vorbei, verhungern müssen wir hier also nicht.

Nizami streicht sich den Anzug glatt, raucht eine Zigarette und rollt sich unter den Bus. Ab und zu reicht er ein paar Teile hinauf, schraubt hier was ab und dort was dran, ein Rohr kommt zum Vorschein, ein Draht verschwindet, und dann geht es weiter, als wäre nichts geschehen.

In Qusar trennen sich unsere Wege. Endlich in der Stadt, eilen die Dörfler zum Markt, während ich mich in die nächste Cayxana (Teestube) setze. Von dort aus sehe ich noch, wie Nizami sich die Schuhe abstaubt, die Haare glatt kämmt und seinen Kragen zurecht zupft. Elegant und würdevoll macht er sich auf den Weg in die Stadt, nach Hause, zu seiner Frau.  

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Der neue Pfarrer

September 9, 2007

Heute Morgen war ich in der Kirche, denn es gab einen freudigen Anlass: Der neue Pfarrer ist da! Vier Wochen lang war Matthias mit seinem Motorrad unterwegs - von Thüringen bis nach Baku. Offenbar hat ihm der Heilige Geist beigestanden, denn er ist trotz der miserablen Straßen heil angekommen und schwärmt seitdem vom Kaukasus, speziell von Georgien. Für die nächsten zehn Monate ist es seine Aufgabe, die kleine lutherische Gemeinde von Baku zu versorgen, seelisch und finanziell. Die Umstellung fällt dem ehemaligen Biker-Pfarrer nicht leicht, denn hier verlangt man eine strenge Lithurgie und reglementierte Abläufe. Dennoch stand er heute im Polohemd, statt im Talar vor uns: Sein Gepäck ist noch unterwegs gen Aserbaidschan.
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Pfarrer Matthias erster Gottesdienst in Aserbaidschan.

Ich sitze auf einer harten Kirchenbank, um mich herum etwa dreißig Gemeindemitglieder. Trotz der Klimaanlage sind wir in Schweiß gebadet, fächeln uns mit dem “Gesangbuch”, einer Sammlung loser Kopien, frische Luft zu. Wer sind diese Leute, die es hier allsonntäglich in die deutsche Kirche zieht?
Der Gottesdienst beginnt mit einem Lied: Drei Strophen deutsch, dann das Ganze noch einmal auf Russisch. Eine herrliche Sprachübung. Und die Predigt erst! Pfarrer Matthias steht eine junge Übersetzerin zur Seite, den Rest erledigt die Gemeinde - denn die ist wirklich in Form: Selbst zu meiner Konfirmandenzeit war ich nicht so routiniert in lithurgischen Abläufen und Texten. Das Groz der Besucher beherrscht das gesamte Programm fließend in beiden Sprachen. Nur die Gottesdienstordnung ist zusätzlich auf Aserbaidschanisch erhältlich. Aber die braucht hier sowieso niemand. Höchstend vielleicht der eine Konfirmand, den Matthias ab demnächst unterrichten wird.
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Abendmahl.

Beim anschließenden Teeplausch im Gemeindezentrum erfahre ich, dass die meisten der Gläubigen deutsche Vorfahren hatten. Im Angedenken an ihre verstorbenen Mütter und Väter, die einst (wie die Familien von Viktor Klein) aus Schwaben eingewandert sind, pflegen sie den Kontakt zur deutschen Kirche und freuen sich über den neuen Pastor.
Und der freut sich darauf, mit seinem Motorrad das Land zu erkunden. Am Nachmittag habe ich ihn zufällig beim Joggen in der Wüste Gobustan wiedergetroffen und wir haben gurgelnde Schlammvulkane bestaunt. Aber das ist eine andere Geschichte….

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Halte, was du hast…

September 6, 2007

Im Frühjahr starb Viktor Klein, der letzte Deutsche in der ehemals schwäbischen Kolonie Helenendorf. Ich habe mich gefragt, wie sein Leben wohl ausgesehen hat und bin hingefahren: Eine langer Weg durch öde Steppe und gesichtslose Siedlungen - und plötzlich ist alles nett und sauber, die Strassen gerade und ordentlich. Deutschland mitten im Kaukasus!

    Es war im frühen 19. Jahrhundert, als sich mehrere hundert Familien aus dem Schwabenland auf den Weg gen Osten machten. In der Heimat fürchteten sie politische Willkür, waren gebeutelt von Hunger und den Napoleonischen Kriegen. Im Kaukasus bot ihnen Zar Alexander I. Land und Vieh. Nur ein Teil der Auswanderer überlebte die mühsame Reise und gründete 1819 in Aserbaidschan eine erste deutsche Kolonie namens Helenendorf.

Die Schwaben widmeten sich vor allem dem Weinanbau und brachten es damit zu einem gewissen Wohlstand. Noch heute findet man unter jedem der sorgfältig angelegten Wohnhäuser große Weinkeller.

    Das schwäbischen Dorfleben fand ein Ende mit der Sowjetisierung. Die Kommunisten lösten die Selbstverwaltung auf und verstaatlichten die Unternehmen. Auf Befehl Stalins wurden die rund 20.000 in Aserbaidschan lebenden Deutschen 1941 nach Sibirien und Kasachstan deportiert und Helenendorf zu Ehren eines sowjetischen Funktionärs in Xanlar umbenannt. Seit 2008 heißt der Ort Göygöl, gleich dem nahe gelegenen See.haus.jpg

Dieses Haus gehörte einst der Familie Vohrer. Heute ziert die Fassade das Bildnis des aserbaidschanischen Präsidenten.

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Die Schwaben waren ordentlich: Jedes Haus trug über den Eingang den Namen seines Erbauers. Besonders beeindruckend ist allerdings die Tatsache, dass es hier schon im frühen 19. Jahrhundert einen sorgfältig angelegten und sehr detaillierten Stadtplan gab, als Anlage dazu eine Liste aller Bewohner nach Hausnummern sortiert. Für die wenigsten aserbaidschanischen Städte gibt es bis heute auch nur annähernd so brauchbare Karten! Oft laufe ich mir die Füße wund, um meine eigenen Pläne zu zeichnen - weil es schlichtweg nichts anderes gibt.

    Nicht weit von der alten Kirche steht das Haus von Viktor Klein. Viktor liebte den Wein und das Klavierspiel, am liebsten Bach. Halte, was du hast, daß niemand deine Krone nehme, steht an einer Wand: Viktors Lebensmotto? Ein verstaubter Plastikweihnachtsbaum, eine Karte von Schloss Schwanstein, Brehms Tierleben auf dem Nachtisch. Viktor, scheint es, ist Deutschland immer treu geblieben.

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    Weihnachtsbaum, Klavier, Viktor.

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    Viktor war gelernter Radiotechniker.

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    Ikonen deutscher Kultur: Schiller, Beethoven und Co. an der Wand.

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    Lektüre eines einsamen Deutschen? Der letzte Mohikaner und zwei Mal Robinson Crusoe! 

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All you need

August 20, 2007

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Die Idealausrüstung für Aserbaidschan: Tee, Melonen und Lada. Viel mehr braucht es nicht zum Glücklichsein.

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Öl

August 8, 2007

1942 drehte die deutsche Armee einen Film, in dem Hitler anlässlich der geplanten Eroberung des Kaukasus eine Geburtstagstorte der besonderen Art überreicht bekam: Sein persönliches Tortenstück war mit den Umrissen Bakus verziert. Hier, am östlichsten Zipfel das Kaukasus, erwartete ihn das wertvolle Öl des Kaspischen Meers - zu dem er nie gelangte.

    Meine erste Begegnung mit dem Öl gestaltete sich eher verhalten. An der Promenade von Baku wird eine Schiffstour angeboten, bei der man einige hundert Meter auf’s Meer fährt und dann die gleiche Strecke wieder zurück. Hier der Blick über die Reling auf’s Wasser:

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    Ein Ausflug zum nahe gelegenen Shikhov-Strand sieht so aus:

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    Ölfeld am Rand von Baku:

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    Während Aserbaidschan um 1900 größter Erdöllieferant der Welt war, wird heute sein Anteil der Weltreserven auf lediglich 0,6 Prozent geschätzt. Trotzdem dreht sich im Land viel um das Öl. Seit dem so genannten Jahrhundertvertrag von 1994 sind Auslandsinvestitionen in Höhe von mehr als 15 Milliarden US-Dollar in den Öl-Sektor geflossen und die Produktion stieg infolge dessen rapide an. 2009 /2010 sollen sogar 1,1 Millionen Barrel pro Tag in der Baku-Tbilisi-Ceyhan-Pipeline (BTC) durch Georgien (vorbei an Armenien) in die Türkei fließen (1b = 159 Liter). Von dort wird das Öl über das Mittelmeer in alle Welt verschifft. 

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Land mit vielen Gesichtern

August 7, 2007

Dass Aserbaidschan immer wieder verblüfft, liegt an seinen so unterschiedlichen Gesichtern. Am Wochenende hatte ich Gelegenheit, einige davon kennen zu lernen - und das war äußerst interessant. Hier ein paar Impressionen:

    Xinaliq ist ein kleiner Bergort etwa vier Autostunden von Baku entfernt, im Großen Kaukasus gelegen. Erst kürzlich war Präsident Ilham Aliyev persönlich dort und hat die neue Straße eingeweiht, die er hat bauen lassen. Damit man sich an diese Wohltat erinnert, hängen quer durch die Berglandschaft neuerdings seine Bilder. Der Grund für den Straßenbau ist die besondere Architektur Xinaliqs, die die lokale Tourismusbranche nun vermarkten möchte: Eine Art hängende Dachterrassenlandschaft, bei der das Dach des einen Hauses jeweils die Terrasse des nächsten bildet. Nur so finden die Häuser am steilen Hang ihren Platz. Unsere kleine Delegation von Abenteurern unterschiedlichster Herkunft hatte jedoch beschlossen, sich abseits der Präsidentenroute durch die Berge zu schlagen. Mit schweren Jeeps haben wir uns hinaus gewagt, erst durch die Wüste und dann hinauf ins Gebirge. Hier bewegt man sich bevorzugt per Pferd - und schnell war klar, wer den Kürzeren ziehen musste. Sehen Sie selbst:

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    Kaukasische Reiter…

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    … und unser Jeep mit Panne (das war nur die erste!) 

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    Interessante Begegnung.
    Irgendwie sind wir dann doch noch ins Bergdorf Xinaliq gekommen:xinaliq1.jpg
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Nach dem archaischen Dorferlebnis am nächsten Tag dann ein Event ganz anderer Art: Eine Poolparty bei einem wohlhabenden Bekannten. Ich liege auf meiner Liege und lasse mich von netten jungen Damen mit edlen Drinks verwöhnen. Dabei blicke ich auf die bombastische Villa -äh, Datscha, ein niedliches Wochenendhäuschen von locker 300 qm mit entsprechend großem Garten. Hier also zelebrieren sich die Reichen und Schönen. poolparty.jpg

Direkt hinterm Pool liegt der Strand. Ich bin raus gegangen, um ein paar Bilder zu knipsen. Die geladenen Gäste samt Gastgeber haben sie anschließend neugierig bestaunt: So sieht es also jenseits der Mauern aus und so lebt der homo vulgaris! Meine Berichte waren wie Geschichten aus einer anderen Welt.

Dazu passend ein paar Superlative aus Baku, die wir abends im “Paul’s”, einer deutschen Kneipe, zusammengetragen haben: Im Hyatt oder der City Light Bar bekommt man einen Cappuccino für 7 Euro, einen Espresso im Park Inn für 8 $. Eine Tube Sonnencreme kostet hier lächerliche 45 Euro, ein Paket Kaffee 12. Ein Handtuch im falschen Laden gekauft ist für den Spottpreis von 90 $ zu haben. Und gestern war ich im Schwimmbad. Die 18 Euro Eintritt waren schon fast geschenkt, wenn man sich überlegt, dass man anderswo locker 50 hinblättern muss. Jaja, das liebe Öl… das hat schon so seine Tücken. Aber dazu mehr in Kürze. 

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Heydar Aliyev

August 2, 2007

Eigentlich ist er ja schon lange tot, doch nach wie vor gilt als Landesvater Aserbaidschans der omnipräsente Heydar Aliyev.

    Seit seinem Ableben im Dezember 2003 ist sein Sohn Ilham Präsident, doch ist es der Vater, der die meisten Plakatwände des Landes ziert. Einst war er Erster Sekretär des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei, Chef des aserbaidschanischen KGB und Mitglied des Politbüros der KPdSU - bevor er 1993 Präsident der unabhängigen Republik Aserbaidschan wurde.

Die ersten Jahre der jungen Republik waren geprägt von politischer und ökonomischer Schwäche und dem unseligen Konflikt mit Armenien um die Bergregion Karabach. Das war die Stunde für Aliyev. Mit starker Hand sorgte er für Ruhe und Ordnung und feierte sein politisches Comeback als aserbaidschanischer Präsident. Er stabilisierte das Land innen- und außenpolitisch und unterzeichnete mit internationalen Ölkonzernen 1994 den Jahrhundertvertrag, dem das Land viel von seinem heutigen Wohlstand verdankt.

    Heute gibt es in jeder Stadt einen Heydar-Aliyev-Platz und ein Heydar-Aliyev-Museum. Selbst der Flughafen von Baku wurde vor wenigen Jahren nach dem Staatsmann benannt und natürlich würdigen ihn allerorts Plakate. Hier einige Beispiele:

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    Heydar-Aliyev-Teppich for sale.

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    Aliyev-Poster in der Bahnhofshalle von Baku.

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“Ich schreibe einen Reiseführer”

August 2, 2007

Es ist durchaus verblüffend, wie viele Deutsche schon vor mir auf die Idee gekommen sind, einen Reiseführer über Aserbaidschan zu schreiben. Wie kommt’s? Und wieso gibt es dann bis heute kein derartiges Buch?Die Reaktionen, die mein Vorhaben auslöst, sind sehr unterschiedlich: Da ist zum Beispiel der Taxifahrer, dem ich auf stümperhaftem Russisch mein Vorhaben erläutere, woraufhin er mich vor Begeisterung einen halben Tag umsonst durch die Stadt fährt. Toll. Und das ist kein Einzelfall!Dann kommt das breite Spektrum derer, die nicht verstehen, was ich hier überhaupt mache. Wer sollte es ihnen verdenken?Ähnlich geht es wohl auch denen, die mit leuchtenden Augen ein Business wittern und sich mit ihrer Einmann-Travel-Agency einklinken wollen. Und schließlich begegnen mir bisweilen Leute, die sich selbst gern an meiner Stelle sähen. Weshalb? Etwa, weil mich ein Chauffeur morgens vom Pool meines Deluxe-Hotels abholt, damit ich ein paar Impressionen sammeln kann, während ich vom Rücksitz der Limousine aus meinen Fans mit dem dicken Scheck meines Verlegers zuwinke? Jaja, so muss es sein.Wer die Wahrheit erfahren will über das mühsame Unterfangen einen Reiseführer zu schreiben, der ist herzlich eingeladen vorbeizukommen. Aber bitte mit Anti-Blasen-Pflastern, Isomatte und Lebensversicherung!

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